Stellungnahme des Präsidiums des Generalkonvents der Ungarischen Reformierten Kirche über Europas Migrationskrise

In den letzten Monaten wurde Europa mit einer Flüchtling- und Migrantenflut konfrontiert, was seit dem II. Weltkrieg nicht erlebt wurde. Hunderttausende von Menschen machen sich in Nord-Afrika und Asien auf den Weg, um in die Länder der Europäischen Union zu gelangen. Sie fliehen vor Krieg, Unterdrückung, Besetzung, Terror, Verfolgung oder wirtschaftlicher Hoffnungslosigkeit in ihrem Land, und sind auf der Suche nach Sicherheit und einer besseren Zukunft. Wir müssen uns darüber im Klaren sein und vor allem auch klar aussagen, dass im Hintergrund der Migration, deren außergewöhnliches Ausmaß früher unbekannt war, gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und Zivilisationskrisen, und oft von den Leitern der Europäischen Union außer Acht gelassene Christenverfolgungen stecken, deren Lösung nur durch gemeinsame und miteinander abgestimmte Handlungen der betroffenen Länder und der internationalen Organisationen möglich wird. Eine wahre Lösung der Krise kann erst erreicht werden, wenn sich die Gründe für gezwungene Auswanderung aufgehoben werden und jeder in Frieden und mit Aussicht auf ein besseres Leben in seiner eigenen Heimat leben, oder dort zurückkehren kann. Eben deshalb fordern wir die verantwortlichen Regierungen, die Leiter der Europäischen Union und weitere Verantwortlichen auf, alles Mögliche für diesen Zweck zu tun. Wir fordern unsere Kirchenmitglieder auf, dass sie darum zum dreieinigen Gott beten!

Wir tun so, weil wir davon überzeugt sind, dass die Europäische Union nicht bloß eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft, sondern Verwahrerin von geistigen, politischen und moralischen Werten ist, die in der jüdisch-christlichen Tradition wurzeln, und sich im Laufe von langen Jahrhunderten entfalteten und die unsere Kirche auf Grund der Heiligen Schrift für sehr wichtig hält, die bewahrt werden sollen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, diese Werte zu pflegen, geltend zu machen und alles zu tun, damit sie ihre gesellschafts- und persönlichkeitsgestaltende Rolle auch in der Zeit unserer Kinder und Enkelkinder erfüllen. Eben deshalb fordern wir die Europäische Union und alle Entscheidungsträger auf, dass sie die Richtlinien der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik neben den Aspekten der Solidarität und der handelnden Liebe, ausschließlich mit Rücksicht auf die erwähnten europäischen Werte bestimmen, und nicht auf Grund der wirtschaftlichen Nützlichkeit, oder im Gegenteil auf Grund von Angst und Vorurteile. Wir sind überzeugt, dass die Migranten unsere Werte nicht ohnedem respektieren werden. Wir wissen, dass es die politische und staatliche Befugnis und Verantwortung eines Landes bzw. der Europäischen Union ist, Flüchtlinge aufzunehmen. All die aber, die aufgenommen wurden und mit uns leben, verdienen den Umgang, der den von uns vertretenen christlichen Werten entspricht.

Zu gleicher Zeit machen wir auf die die Länder im Karpatenbecken auch bis heute noch herrschenden Krisen und auf unsere Flüchtlinge aufmerksam, die wegen der Kriege und Konflikte in unserer Region gezwungen waren, zu uns zu kommen, und für die ein sicheres Leben zu Hause weiterhin eine ferne Hoffnung ist. Die Vernachlässigung dieser Leute ist genauso ein ernsthafter Fehler, wie alle einseitigen Behandlung der Migrationsproblematik. Wir, das Präsidium des Generalkonvents behaupten, dass die vorrangige Aufgabe der Europäischen Union die Fürsorge für ihre eigenen Bürger und ihr Schutz ist. Zum Schutz gehört, dass menschliche Grundrechte überall und unter allen Umständen, ohne Diskrimination und Doppelmoral gesichert werden.

Das biblische Gebot der Solidarität ist voraussetzungslos. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3Mose 19,18). Dieses Gebot bezieht sich auf jeden Menschen, da Gott jeden Menschen nach seinem Bilde schuf (1Mose 1,27). Jesus Christus betrachtete dieses Gebot als die Summe Gottes guter Ordnung und Lebensgebot (Matthäus 22, 37-39). Er lehrt uns, dass unser Glaube spiegelt sich auch darin wider, dass wir den Armen, den Flüchtlingen, Kranken und Gefangenen helfen (Matthäus 5,43, Matthäus 24, 31-46). Es ist deshalb eine unabwendbare Aufgabe unserer Kirche, den Menschen in Not zu helfen, was auch denen gebührt, die vor unmittelbarer Lebensgefahr fliehen oder bloß mit der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen, ob sie Christen sind oder anderen Religion gehören, Ungeschulte oder gebildete Leute sind - unabhängig davon, ob sie Durchreisende sind oder sich endgültig hier ansiedeln wollen. Wir unterstützen all das mit der biblischen Regel, nämlich, dass die erstrangige Richtung der christlichen Liebe und Fürsorge der Kreis derjenigen ist, für die wir verantwortlich sind, d.h. unsere Familie, Verwandtschaft, kleinere oder größere Gemeinschaften und unsere Nation. Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass die Menschenwürde der Flüchtlinge und Migranten, sowie ein schnelles und faires Asylverfahren gesichert werden muss. Wir rufen alle wohlwollenden Menschen und verantwortliche Leiter zum dasselbe auf. Wir sprechen den Hilfsorganisationen unserer Kirchen, sowie den Gemeinden und Kirchenmitgliedern unseren Dank aus, die bislang an dem Dienst an Geflüchteten teilgenommen haben, und wir bitten ermuntern auch andere, dasselbe zu tun.

„Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“ (Galataer 6, 10).

 

Balatonfüred, Ungarn, den 11. November 2015.

Das Präsidium des Generalkonventes

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